Wer bringt hier eigentlich die Opfer?
Sechs Argumente zur neuen Mietpolitik auf dem RAW-Gelände
1. Der Bezirk muss 11,40 €/m² an den Eigentümer zahlen.
Das erklärt den Finanzierungsbedarf, aber nicht, warum neue Künstler im selben Atelierhaus bis zu 112 % mehr Nettokaltmiete zahlen müssen als Bestandsmieter.
2. Die Bestandsmieten sollen unverändert bleiben.
Warum eigentlich? Wenn die Finanzierungslücke geschlossen werden muss, könnten Bestandsmieter etwas mehr und Neumieter deutlich weniger zahlen. Die Gesamteinnahmen würden gleich bleiben.
3. Die Räume müssen „möglichst SCHNELL und möglichst ertragreich“ vermietet werden.
Zeitdruck ist keine Begründung für eine ungleiche Mietverteilung. Allein im VWG bringen die sechs teureren neuen Ateliers gegenüber 5,90 €/m² rund 846 € zusätzlich im Monat. Dieser Betrag könnte solidarisch verteilt werden.
4. „Dafür bringen wir jetzt zeitlich begrenzte Opfer.“
Wer bringt diese Opfer eigentlich? Die neuen Künstler zahlen teilweise fast das Doppelte, obwohl ihre Räume nicht unbedingt besser sind. Gleichzeitig wird von allen dieselbe ehrenamtliche Mitarbeit erwartet.
5. Die alten Mieten sollen als Vergleich erhalten bleiben.
Ein Clubbetreiber argumentierte, man müsse die Bestandsmieten unverändert lassen, um später den Unterschied zu den Neumieten dokumentieren zu können.
Dafür gibt es Mietverträge, Tabellen und ein Gedächtnis. Man muss eine finanzielle Ungleichheit nicht künstlich aufrechterhalten, um sie später nachweisen zu können.
Ein Atelierhaus ist wie eine Skatehalle eine lebendige Gemeinschaft. Menschen kommen und gehen. Niemand würde selbstverständlich verlangen, dass neue Mitglieder doppelt so viel zahlen, nur weil sie später dazugekommen sind.
6. Langfristig soll der Bezirk keine Miete mehr an den Eigentümer zahlen.
Wenn die reguläre Eigentümermiete nach der Übergangszeit entfällt, stellt sich umso mehr die Frage, warum ausgerechnet jetzt eine solche Ungleichheit geschaffen wird. Die weiterhin notwendigen Betriebs- und Sanierungskosten sollten transparent und gerecht verteilt werden.
Ein Atelierhaus, eine solidarische Mietpolitik
Unterschiedliche Mieten können sinnvoll sein, etwa zwischen einem Gastronomiebetrieb und einem kleinen Künstleratelier. Aber innerhalb desselben Atelierhauses sollten Raumqualität, Nutzung und soziale Kriterien entscheidend sein, nicht allein das Einzugsdatum.
Wir sollten die Geschichte unserer Mietpreise dokumentieren, nicht ihre Ungerechtigkeiten konservieren.
Ich profitiere selbst von den günstigen Bestandsmieten. Gerade deshalb bin ich bereit, etwas mehr zu zahlen, wenn dadurch unsere neuen Kolleginnen und Kollegen entlastet werden.